Speziallager Nr. 6 Jamlitz

Das sowjetische Speziallager Nr. 6 Jamlitz bestand von September 1945 bis April 1947. Nach sowjetischen Unterlagen durchliefen etwa 10.200 Gefangene der Besatzungsmacht dieses Lager, beinahe jeder Dritte fand dort den Tod. Das Lager hatte somit eine der höchsten Todesraten aller sowjetischen Speziallager. Die provisorischen Haftbedingungen des KZ-Nebenlagers schrieben sich unter dem Vorzeichen der Abrechnung mit dem Nationalsozialismus fort.
Die Haftgründe der Insassen und deren Bewertung bleiben auch nach Öffnung der NKWD-Registraturakten umstritten, da die dort notierten Haftvorwürfe nur teilweise mit internationalen Vorgaben (Kontrollratsdirektiven) korrespondierten und andererseits sogar NKWD-Befehlen widersprachen.
Für das Speziallager Nr. 6 in Jamlitz läßt sich sagen, daß die Insassen mehrheitlich den niedrigen Funktionen innerhalb der NSDAP und ihrer Gliederungen zuzuordnen sind. Die Jugendlichen im Lager müssen ohnehin als unschuldig angesehen werden. Nur in einigen recherchierbaren Fällen lassen sich Verbrechenszusammenhänge erkennen.

Als paradoxer Fall kann die Haft des Cottbuser Elektrikers und Altkommunisten Otto Maaß gelten, der im Februar 1945 Augenzeuge der Ermordung der 1200 im Lager zurückgebliebenen jüdischen Häftlinge in Jamlitz geworden war. Maaß wurde im Herbst 1945 vom NKWD verhaftet, gerade als er die Morde von Jamlitz aufklären wollte.

Seit 1995 ist an einem der Massengräber ein Friedhof als Gedenkstätte eingerichtet.