Motive für das Projekt

Die Gedenkstättenpolitik der DDR in Bezug auf Jamlitz hat zur vollständigen Aufgabe des authentischen Ortes als Stätte der Dokumentation und des Gedenkens geführt.

Zum einen entstand 1971/73 fünf Kilometer entfernt in Lieberose eine Gedenkstätte für das KZ-Nebenlager, während zur gleichen Zeit in Jamlitz letzte authentische Zeugnisse des Lagers beseitigt wurden, zum anderen war die Thematisierung des sowjetischen Speziallagers bis zum Ende der DDR tabu.

Da das KZ-Mahnmal in Lieberose zu einem Ort der politischen Instrumentalisierung von Gedenken wurde und auch der Gedenkfriedhof des Speziallagers in Jamlitz die Komplexität des ab 1945 Geschehenen nicht vermitteln kann, ist ein starkes öffentliches Interesse an sachlicher Dokumentation am historischen Ort entstanden.

Die sich heute vor dem ehemaligen Lagereingang in Jamlitz befindlichen drei Steine (seit 1990 wieder der originale Lagerstein aus dem Jahre 1944 mit der Aufschrift „1944 Arbeitslager Lieberose" sowie ein Gedenkstein für jedes Lager seit 1994 bzw. 2000), gleichsam eine Doppelgedenkstätte, verlangen zusätzlich nach Ordnung und Klärung des Dualismus Dokumentieren - Gedenken.

Eingang2








 Der ehemalige Lagereingang „Kiefernweg" an
 der Hauptstraße in Jamlitz.

 Aufnahme: Ulrich Schwarz Berlin, März 2001.

Die inzwischen fast vollständige Überformung des Lagergeländes durch Wohnbebauung ist ein weiteres Element, das zu konzeptionellen Anstrengungen Anlaß gibt.

Bordstein








Bauliche Prägung des ehemaligen
Lagergeländes heute
.

Aufnahme: Ulrich Schwarz Berlin, März 2001.

Beide Lagerepochen für sich und getrennt von den Orten des Gedenkens dargestellt -  sollen Dokumentation und Gedenken den ihnen entsprechenden Raum erhalten.

Als inhaltlichen und gestalterischen Ausgangspunkt strebt die Dokumentationsstätte bei weitestgehendem Verzicht auf symbolische Repräsentation eine Trennung von Gedenken und Dokumentieren an.

Die jeweilige Lager-Historie auf dokumentarischer Grundlage erhält durch ihre Präsentation auf Flächen des ehemaligen Lagergeländes den Rahmen des authentischen Ortes.

Auf der Darstellungsfläche zum KZ-Nebenlager können letzte bauliche Reste in die Vermittlung einbezogen werden (Keller eines Sanitärgebäudes, Barackenreste).


Asicht.Abgr







 Reste eines unterkellerten Gebäudes im
 nordwestlichen Teil des ehemaligen
 Lagergeländes
.

 Aufnahme Ulrich Schwarz Berlin, März 2001.

Die Dokumentationen selbst werden somit konzeptionell auf wenige Gestaltungselemente reduziert.